Pressebericht.

Erst wenn man plötzlich etwas nicht mehr hat, vermisst man es meist schmerzlich. Blackout – Stromausfall.

„Im Büro geht nichts mehr – wir freuen uns über die plötzliche freie Zeit und fahren nach Hause. Ups, der Tank ist fast leer - mal schnell tanken fahren. Geht nicht, die Pumpen funktionieren nicht mehr. Dann eben ab nach Hause. Heute wird’s gemütlich mit Kerzen, Tee und Spaghetti. Fehlanzeige – ohne Strom kein Wasser und der Herd funktioniert auch nicht. Wer keinen Holzofen hat, dem wird’s jetzt auch noch kalt. Wir vermissen unseren Strom schmerzlich. Wir sind doch so an ihn gewöhnt, er ist immer da, für uns eine Selbstverständlichkeit.“ Dipl.-Ing. Martin Buchholz, Deutscher Meister im Science Slam, zeichnet, gewohnt wortgewandt, ein eindrucksvolles Bild vom Leben nach dem Stromausfall. Er fesselte mit seinem Vortrag auch die Teilnehmer der Tagung „Blackout – Versorgungssicherheit durch Stadtwerke“ der Gesellschaft für kommunale Kooperation mbH (GkK) in Nörten-Hardenberg am 26. Oktober 2017.

Wie schnell diese Selbstverständlichkeit in Frage gestellt sein kann, wie fragil das Stromnetz ist und was die Stadtwerkegemeinschaft für die Versorgungssicherheit tut, erfuhren die 100 Gremienvertreter (Politiker, Aufsichtsratsmitglieder, Bürgerenergiegenossenschaften) der 13 kommunalen Stadtwerke, einer Genossenschaft und einem in privater Hand befindlichen Energieversorungsunternehmen aus Hessen und Niedersachsen, die sich im Kommunalverband GkK zusammengeschlossen haben.

Im vorigen Januar herrschte an extrem kalten Wintertagen Dunkelflaute in Deutschland, schilderte Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt, Direktor des Direktorats „Energiebinnenmarkt“ bei der Europäischen Kommission, eine extreme, aber durchaus typische Konstellation. In Frankreich mussten zu der Zeit mehrere Kraftwerke vom Netz genommen werden, und das Land brauchte Strom. Dank der guten und engen Kooperation über Ländergrenzen hinweg – wie zwischen dem Übertragungsnetzbetrieber 50 Hertz und dem französischen Energieversorger - konnte nach Borchardts Schilderung die Netzstabilität aufrechterhalten und ein Blackout für Deutschland und Frankreich abgewendet werden. „Wir sind froh über diese gut funktionierende Partnerschaft. In Rumänien und Bulgarien zum Beispiel ist das leider nicht so – hier hatte man sich damals die gegenseitige Hilfe versagt, deren Netze brachen zusammen“, erläuterte Borchardt die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus und die vor der EU liegenden Aufgaben, durch ein neues Strommarktdesign und eine bessere Risikovorsorge auch in Zeiten der Dekarbonisierung der Energiewirtschaft für Netzstabilität zu sorgen.

Den Blick auf den Landkreis Werra-Meißner richtete auf der Podiumsdiskussion Landrat Stefan G. Reuß. Er strich die Wichtigkeit der kommunalen Versorger heraus. „Am eigenen Leib zu erfahren, wie sich ein Stromausfall auf jeden Einzelnen auswirkt, ist eine unangenehme Erfahrung. Unser Zuhause konnte nicht mehr beheizt werden. Ich war sicher, dass unsere Werke alles schnell wieder in den Griff bekommen werden, so war es dann auch.“ Von einem Stromausfall, warnte Reuß, könne auch öffentliche Überwachungs- und Sicherheitstechnik etwa im Straßenverkehr betroffen sein. Es sei wichtig, auf solche Fälle vorbereitet zu sein. Aber nicht nur die Netzsicherheit sieht er in den Händen der Kommunalversorger. „Die Stadtwerke stehen vor neuen Herausforderungen bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Hier sehe ich Chancen durch den zu erwartenden Ausbau der E-Mobilität, im Management des autonomen Fahrens sowie im Lastmanagement, um Strom aus nachhaltig fließenden Quellen noch besser ins Netz aufnehmen zu können“, fasste der Landrat zusammen.

Ganz nah an den Menschen zeigte sich Dr. Sabine Michalek, Bürgermeisterin der Stadt Einbeck: „Wir erleben in unseren Städten im Kleinen, was in Brüssel im Großen gedacht wird. Mich treiben Fragen um wie jene: „Wie erkläre ich dem Bürger, wenn er seine PV-Anlage auf dem Dach wegen Netzüberlastung nicht zugelassen bekommt, oder der Windparkbau an Kleinigkeiten scheitert?“ Wir arbeiten eng mit unserem Stadtwerk zusammen um unsere Region weiter voran zu bringen und die Energiewende passend zu uns mitzugestalten.“

„Es ist Sonntag, die Sonne scheint den ganzen Tag und es gibt kaum Abnehmer für den Strom. Wenn jetzt noch der Wind weht, wünschte ich mir, es wäre ein Wochentag. An solchen Überangebotstagen durch die Einspeisung der Energie aus Wasser-, Wind- und Solarkraft sowie Biomasse in unser Netz ist die Sicherung der Netzstabilität keine einfache Aufgabe. Wir lösen sie, es gelingt“, schilderte Dipl.-Ing. Martin Adolph, Aufsichtsratsvorsitzender der GkK und Geschäftsführer der Stadtwerke Uslar, die Herausforderungen durch erneuerbare Energien für die Netzstabilität.

Das Fazit des Abends zog nach einer angeregten Diskussions- und Fragerunde mit den Zuhörern Dipl.-Ing. Markus Lecke, Geschäftsführer der GkK und der Stadtwerke Eschwege GmbH: „Blackout – Stromausfall. Nur gut dass bei uns in Deutschland nur ca. 13 Minuten im Jahr der Strom ausfällt. Erschreckende 250 Minuten wie in Polen oder 68 Minuten wie in Frankreich ließen mich schlecht schlafen. Wir, ihre GkK-Stadtwerke in Hessen und Niedersachsen, arbeiten weiterhin im kommunalen Verbund an der sicheren Versorgung unserer Kunden und der Netzstabilität in unserer Region. Auch ich möchte die nächsten gemütlichen Abende gern weiterhin mit leckeren Spaghettis und im warmen Haus verbringen.“

Regelmäßige Infos zu dem Thema finden Sie auf unserer Website www.gkk-info.de .

03.11.2017

Jana Schröder

 

Informationen zur Gesellschaft für kommunale Kooperation mbH (GkK)

14 kommunale Stadtwerke und 1 privates Werk sind Mitglieder der GkK.

Sie versorgen ca. 240.000 Menschen mit Energie
beschäftigen über 700 Mitarbeiter

bewirtschaften ...
ca. 1350 km Mittelspannungsnetz
ca. 2600 km Niederspannungsnetz

ca. 350 km Gasmitteldrucknetz
ca. 850 km Gasniederdrucknetz

ca. 3300 km Wasserversorgungsnetz
ca. 320 km Wärmeversorgungsnetz

sorgten für ...
1.200 GWh Netzbelastung Strom

1.980 GWh Netzbelastung Gas

14 Mio. m3 Wasserabgabe

Die Zusammenarbeit erfolgt in Arbeitskreisen Weiterbildung, EEG/KWK, Zählerwesen sowie durch personelle Synergien.

Jedes Mitgliedsunternehmen wird durch ein stimmberechtigtes Mitglied vertreten.

Elektrizitätswerk Wanfried von Scharfenberg KG
EVB Energie und Versorgung Butzbach GmbH
KBG Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft Homberg eG
Stadtwerke Bad Sooden-Allendorf
SWB Stadtwerke Biedenkopf GmbH
Stadtwerke Einbeck GmbH
Stadtwerke Eschwege GmbH
Stadtwerke Haiger
Stadtwerke Herborn GmbH
Stadtwerke Hünfeld GmbH
Stadtwerke Uslar GmbH
Stadtwerke Witzenhausen GmbH
Stadtwerke Wolfhagen GmbH
SWN Stadtwerke Northeim GmbH
Versorgungsbetriebe Hann. Münden GmbH

Ansprechpartner:

Markus Lecke
Geschäftsführer der Gesellschaft für kommunale Kooperation mbH und der Stadtwerke
Eschwege GmbH
T: 0 56 51 – 807 221